#206_BRAVO, GIRL Anouk Koch & Nathalie Specker
Opening & Release Freitag, 06.11.2026 ab 18.00 Uhr; Ausstellung bis 05.12.2026
BRAVO, GIRL
Ein Lob, eine Bestätigung, vielleicht eine Belohnung für angepasstes Verhalten. Zugleich steckt darin die Erinnerung, beobachtet und beurteilt zu werden. Wo endet ehrliche Ermutigung und wo beginnt der Druck, es anderen recht zu machen? Und was, wenn aus einem Kompliment eine Zurechtweisung wird, aus einem Scherz plötzlich Ernst oder aus dem Wunsch, alles richtig zu machen, die Lust, es einfach bleiben zu lassen?
Nathalie Specker zeigt eine Werkgruppe zwischen Zuspruch und Zurechtweisung.
Immer wieder wird ihr innerer Kampf gegen tief verankerte gesellschaftliche Erwartungen durch die eigenen gestört. Das beginnt schon früh. Wir lernen, wie wir sein sollen, bevor wir erkennen können, wer wir sind. Weil wir lernen, uns durch die Augen anderer zu sehen, fühlt sich das Leben an wie ein unendliches Aushandeln zwischen dem Wunsch, anerkannt zu werden, und dem Bedürfnis, nichts richtig machen zu müssen.
Trotzdem liegt Nathalie manchmal ungeduscht in ihrem unordentlichen, dreckigen Zimmer und fühlt sich gut. Schliesslich stört es ja angeblich nicht, wenn das gleiche Tuch für Sauberes und Dreckiges verwendet wird.
Anouk Koch untersucht die feinen Dynamiken zwischenmenschlicher Beziehungen, gesellschaftlichen Erwartungen und Machtstrukturen. Textfragmente treffen auf alltägliche Gegenstände und verschieben deren vertraute Bedeutung. Aus scheinbar harmlosen Dingen werden Träger von Spannungen und unausgesprochenen Konflikten.
In ihren neuen Arbeiten bewegt sich Anouk Koch von Überforderung zu Leichtigkeit, von Fragilität zu Resilienz. Sie nähert sich Momenten, in denen Fürsorge in Kontrolle kippt und das Absurde dem Unangenehmen gefährlich nahekommt. Manchmal ist nicht ganz klar, ob etwas noch lustig ist oder schon wehtut. Ihre Arbeiten lassen diese Ambivalenz bestehen – irgendwo zwischen «Ist doch nicht so schlimm» und «Eigentlich schon».